Franz-Stock-Komitee für Deutschland e.V.

 

Bischof Emil Stehle bei einem Besuch im Elternhaus von Franz Stock, 2005Bischof Emil Stehle ist am 16.05.2017 im Alter von 90 Jahren gestorben. Der spätere Adveniat-Geschäftsführer und Bischof in Süd-Amerika setzte sich u.a. für Friedensverhandlungen zwischen Regierungen und der Guerilla, für die Freilassung von Geiseln und den Schutz der Zivilbevölkerung ein. 1994 wurde er für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Mit 18 Jahren geriet er in französische Kriegsgefangenschaft und gehörte 1945 zu den ersten vier Seminaristen des „Priesterseminars hinter Stacheldraht“. Er war Gehilfe von Franz Stock und hat somit ganz eng mit ihm zusammengearbeitet. Wie sehr ihn diese Zeit geprägt haben mag, kann man in einer Predigt nachlesen, die er 1988 in Arnsberg-Neheim gehalten hat (Predigt von Bischof Emil Stehle vom 1.5.1988 "Selig die Frieden fertigen, sie werden Kinder Gottes genannt werden."). Foto: Bischof Emil Stehle bei einem Besuch im Elternhaus von Franz Stock, 2005

Sein Lebensweg zeichnen Presseberichte des Erzbistums Paderborn bzw. Bistums Essens nach:

Pressebericht des Erzbistums Paderborn vom 18.05.2017

Bischof Emil Stehle verstorben
Nachruf auf den Ehrendoktor der Theologischen Fakultät Paderborn

Paderborn/Konstanz, 18. Mai 2017. Die Theologische Fakultät Paderborn trauert um Bischof Emil Lorenz Stehle, seit 2000 Träger der Ehrendoktorwürde der Theologischen Fakultät Paderborn. Der erste Bischof von Santo Domingo de los Colorados, Ecuador, verstarb am Dienstag, 16. Mai 2017, in Konstanz im Alter von 90 Jahren.

Geboren am 3. September 1926 in Herdwangen bei Mühlhausen (Kreis Überlingen), wurde Stehle am 24. Juni 1951 für das Erzbistum Freiburg zum Priester geweiht. In seinem Heimatbistum war er zunächst in der Gemeindeseelsorge tätig, bis er nach Südamerika wechselte und dort verschiedene Aufgaben übernahm, u.a. als Berater der Bischöflichen Aktion Adveniat. Zurück in Deutschland übernahm er von 1977 bis 1988 die Geschäftsführung des katholischen Lateinamerika-Hilfswerks mit Sitz in Essen.

Im Jahre 1983 wurde der engagierte Friedenskämpfer und Südamerikakenner in Rom zum Bischof konsekriert und 1987 von Papst Johannes Paul II. zum ersten Bischof von Santo Domingo de los Colorados in Ecuador ernannt. Nach seiner Emeritierung 2002 zog es Stehle zurück in die Heimat. Zuletzt lebte er in Konstanz. Vor zehn Jahren erlitt er einen schweren Schlaganfall.

Der unermüdliche Einsatz des Verstorbenen für den Frieden, der ihm viele internationale Ehrungen und Auszeichnungen zuteilwerden ließ, hatte nicht zuletzt seine Wurzeln in der Erfahrung des Ausmaßes des Zweiten Weltkriegs. Mit knapp 18 Jahren geriet Stehle in französische Kriegsgefangenschaft. Seit Anfang April 1945 gehörte er zu den ersten vier Seminaristen des „Priesterseminars hinter Stacheldraht“, das sich zunächst in Orléans, seit August 1945 in Chartres befand.

Bis zur Auflösung gehörte Stehle diesem Seminar unter der Leitung des Paderborner Priesters Franz Stock an, dessen bescheidene und von Nächstenliebe geprägte Art Stehle für das Leben tief beeindrucken sollte. Als Gehilfe hatte er mit Stock ganz eng zusammengearbeitet. Er wusste von seinem bedingungslosen Einsatz für Frieden, Ausgleich und Gerechtigkeit, für den Bau von Brücken zwischen den verfeindeten Gruppen während des Krieges. Ebenso war ihm Stocks Sorge um die französischen Inhaftierten in den Gefängnissen der Wehrmacht in Paris und deren Begleitung zu den Erschießungen bekannt. Persönlich erlebte Stehle sein Vorbild dann als Leiter des Seminars. Unter den widrigsten Verhältnissen versuchte Stock allen Angehörigen das Leben so erträglich wie möglich zu machen.

Stehle gehörte zu den letzten, die nach dem Krieg in die Heimat nach Deutschland zurückkamen. Seine persönliche Verbundenheit zu Stock ist fortwährend prägend geblieben und zeigte sich auch äußerlich in dem Bischofsring, den Stehle zu seiner Bischofsweihe aus Chartres von Bischof Raoul Harscouët (1926-1954) erhielt, dem das „Seminar hinter Stacheldraht“ und Abbé Stock besonders am Herzen lag.


Pressebericht: Bistum Essen vom 17.05.2017:

Bischof Overbeck: „Ein Wegweiser für den Frieden in Lateinamerika“
Trauer um den früheren Adveniat-Geschäftsführer Bischof Emil Lorenz Stehle, der am Dienstag im Alter von 90 Jahren gestorben ist.

„Mit seinem Leben für Dialog und Vermittlung bleibt Bischof Stehle auch über seinen Tod hinaus ein Wegweiser für den Frieden in Lateinamerika.“ Das sagte Adveniat-Bischof Franz-Josef Overbeck in einer ersten Reaktion zum Tod von Bischof Emil Lorenz Stehle. „Seinem unermüdlichen Einsatz für die Menschen, insbesondere die indigenen Völker, fühlen wir uns bei Adveniat weiterhin verpflichtet.“ Der ehemalige Geschäftsführer des Essener Lateinamerika-Hilfswerks ist am Dienstag, 16. Mai, im Alter von 90 Jahren in Konstanz gestorben.

„Freund auf dem Friedensweg für El Salvador“ – so wurde Bischof Stehle von Weibischof Gregorio Rosa Chavez von San Salvador einmal bezeichnet. Nach der Ermordung von Erzbischof Oscar Romero 1980 vermittelte Stehle in dem von einem blutigen Bürgerkrieg zerrissenen mittelamerikanischen Land. Der Bischof setzte sich für Friedensverhandlungen zwischen Regierung und Guerilla ein, für die Freilassung von Geiseln und den Schutz der Zivilbevölkerung – bis schließlich 1992 das Friedensabkommen unterschrieben wurde. „Mit seinem schlichten Auftreten, seinem aufmerksam-geduldigen Zuhören und seinem diplomatischen Gespür war er ein kompetenter Gesprächspartner, Berater und Vermittler in vielen großen und kleinen Konflikten im kirchlichen und weltlichen Bereich – in Deutschland und in Süd- und Mittelamerika“, sagte Overbeck. Dabei wusste er sich getragen von einem lebendigen Glauben und Gottvertrauen, das auch in seiner Aussage deutlich wird: „Am Anfang war das Wort, nicht die Gewalt. Das Wort wurde Wahrheit und Leben, und das Wort schuf Frieden.“

Am 3. September 1926 wurde Stehle in Herdwangen-Mühlhausen (Südbaden) als achtes Kind von neun Geschwistern einer einfachen Bauernfamilie geboren. 1951 in der Erzdiözese Freiburg zum Priester geweiht, stellte Stehle sich nach sechs Kaplansjahren dem Katholischen Auslandssekretariat zur Verfügung, um in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá eine Gemeinde für deutschsprachige Katholiken aufzubauen. Der erste Ruhrbischof und damalige Adveniat-Vorsitzende Franz Hengsbach ernannte Stehle 1969 zunächst zum Berater Adveniats mit Sitz in Bogotá. Drei Jahre später holte er Stehle dann als Zweiten Geschäftsführer in die Geschäftsstelle nach Essen. Von 1977 bis 1988 war Stehle Geschäftsführer des Lateinamerika-Hilfswerks.

Als „Don Emilio“, wie er in Lateinamerika liebevoll genannt wurde, 1983 in Rom zum Bischof geweiht und dem Erzbischof von Quito in Ecuador als Weihbischof zur Seite gestellt wurde, entwickelte er sich mehr denn je zum Wanderer zwischen zwei Welten. Als dann aber das Bischofsvikariat Santo Domingo de los Colorados 1987 zur Prälatur erhoben wurde, entschied er sich für den ständigen Wohnsitz in Ecuador.

Für seinen großen Einsatz, besonders bei den Friedensbemühungen in Zentralamerika, die Befreiung von sieben Aufbauhelfern in Nicaragua und die Pionierarbeit in Santo Domingo de los Colorados in Ecuador wurde Bischof Stehle mehrfach ausgezeichnet: mit drei Ehrendoktor-Titeln und dem Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. 2002 kehrte er in seine Heimatdiözese Freiburg zurück und lebt seitdem in Konstanz am Bodensee.

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