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Bundespräsident Steinmeier erinnert an Franz Stock

Bundespräsident Steinmeier (C) Bundesregierung / Steffen KuglerBundespräsident Frank-Walter Steinmeier nahm in Paderborn an dem traditionellen Liborifest teil und würdigte in seiner Rede auch Franz Stock. Das Liborifest erinnert an die Überführung der Reliquien des Heiligen Liborius vom französischen Le Mans im Jahr 836 nach Paderborn.

Daraus sei eine der ältesten Städtefreundschaften der Welt entstanden, sagte Steinmeier. "Europas Stärke, Europas Wertegemeinschaft, Europas Glück und Europas Zukunft hängt zu einem großen Teil von der Partnerschaft, ja der Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich ab."

Redeauszug:

 

... Es waren zwei gläubige Christen, zwei Katholiken, General Charles de Gaulle und Bundeskanzler Konrad Adenauer, die bei einer Messe in der Kathedrale zu Reims, dem alten Krönungsort der französischen Könige, sich und ihre Landsleute an ihre letztlich unzerstörbaren gemeinsamen Wurzeln erinnerten und endlich symbolisch die sogenannte Erbfeindschaft zwischen Deutschland und Frankreich beendeten – jene Feindschaft, die im historischen Maßstab, denken wir an die tausend Jahre alte Beziehung zwischen Le Mans und Paderborn, doch eher kurz war. Unvergessen in diesem Zusammenhang die Rede von Charles de Gaulle an die deutsche Jugend – auf Deutsch! –, die er vor fast genau sechzig Jahren gehalten hat.

Wahrscheinlich gibt es wenige Orte in der Mitte Deutschlands, wo die Beziehung zwischen Frankreich und Deutschland und deren Bedeutung für Europa so lebendig im Bewusstsein ist wie hier in Paderborn. Und wo die alte Beziehung immer wieder erneuert worden ist.

Ich denke heute beispielhaft an einen Priester aus dem Erzbistum Paderborn, Franz Stock, der in Paris Theologie studiert hatte. Als Wehrmachtspfarrer in Frankreich hat er sich dann aufopferungsvoll um französische Kriegsgefangene gekümmert, hat selber hunderte zur Exekution verurteilte Kämpfer der Résistance begleitet. Als er selber nach der Kapitulation Kriegsgefangener war, hat er bei Chartres ein großes Priesterseminar unter Gefangenen geleitet. Der Abbé Stock, wie er dort heißt, wird noch heute in Frankreich in hohen Ehren gehalten; schon 1949 fand eine Gedenkfeier für ihn im Invalidendom statt – zum ersten Mal überhaupt für einen Deutschen. Und sogar der Platz vor der Gedenkstätte des französischen Widerstands gegen die deutsche Besatzung auf dem Mont Valérien ist nach ihm benannt. Der damalige Nuntius in Frankreich, der den früh verstorbenen Seelsorger 1948 beerdigte, Angelo Roncalli, der spätere Papst Johannes XXIII., hat über ihn gesagt: "Abbé Stock, das ist kein Name, das ist ein Programm."

Es war und es ist wie immer: Wo vieles zerstört wird und alles in Trümmern liegt, wo vieles nicht mehr selbstverständlich ist, da sind es Einzelne, die das gute Werk wieder aufnehmen und weiterführen und eine bessere Zukunft für viele, für uns alle eröffnen.

Ob der Abbé Stock; ob so viele, die dann im deutsch-französischen Jugendwerk eine Ahnung von der Bedeutung Frankreichs und Deutschlands für Europa bekommen haben; ob Mitglieder in der Deutsch-Französischen St. Liborius-Fraternität, hier in Paderborn und in Le Mans; ob Publizisten, wie der gerade verstorbene Johannes Willms, der uns etwa durch Biographien Napoleons oder Charles de Gaulles unser westliches Nachbarland nahegebracht hat; ob so viele, die französische Literatur lesen, französische Chansons hören, französische Filme lieben: Alle hatten und haben Anteil daran, dass der Frieden und die Freundschaft zwischen Frankreich und Deutschland lebendig bleiben und dass diese Freundschaft weiter dazu beiträgt, ein einiges Europa zu bauen.

Europa ist, wie wir hier in Paderborn beim Libori-Fest immer wieder erfahren, unsere reiche Vergangenheit. Europa muss auch unsere gemeinsame gute Zukunft sein.

Foto: Bundespräsident Steinmeier (C) Bundesregierung / Steffen Kugler

Die gesamte Rede ist veröffentlicht unter:
https://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Frank-Walter-Steinmeier/Reden/2022/07/220722-Libori-Mahl.html

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