Am 19. September machten sich Mitglieder und Freunde des Franz-Stock-Komitees, der Gefährten des Heiligen Franziskus – der Compagnons de Saint François –, von Les Amis de Franz Stock und von Pax Christi gemeinsam auf den Weg. Ziel war der Borberg bei Olsberg mit seiner Friedenskapelle. Der geplante Friedensweg sollte dabei mehr sein als eine gemeinsame Wanderung: Auf dem Weg über den Kreuzweg wollten wir uns mit dem Leben und Wirken von Franz Stock beschäftigen und zugleich der Frage nachgehen, was sein Einsatz für Verständigung und Frieden uns heute sagen kann.
Besonders schön war, dass auch ein französischer Teilnehmer dabei war. Eric Mignien war aus Paris angereist und wollte diesen Weg gemeinsam mit uns gehen. Damit wurde der Gedanke der deutsch-französischen Verbundenheit, der Franz Stock so wichtig war, ganz unmittelbar erfahrbar.
Noch bevor der eigentliche Friedensweg begann, hatte unser gemeinsamer Tag bereits begonnen: In der Frühe traf Eric Mignien am Dortmunder Hauptbahnhof ein. Er war am Abend zuvor in Paris aufgebrochen und hatte die ganze Nacht hindurch die Reise nach Deutschland zurückgelegt. Eric ist sowohl bei den Compagnons de Saint François als auch bei Les Amis de Franz Stock engagiert und steht darüber hinaus in Verbindung mit der Partnerschaft zwischen dem Erzbistum München und Freising und der französischen Diözese Évry-Corbeil-Essonnes im Großraum Paris.
Gemeinsam fuhren wir einige Kilometer ostwärts und machten Station im Pfarrhaus in Holzwickede. Direkt vor der Kirche steht ein Friedenspfahl. Ein passenderes Zeichen hätte es für diesen Morgen kaum geben können: „Frieden auf Erden“ und „Paix sur terre“ stehen dort nebeneinander. Dort empfing uns Pastor Bernhard Middelanis mit herzlicher Gastfreundschaft. Frisch gebrühter Kaffee und frische Brötchen waren nach der langen Nacht genau das Richtige. Und so begann unser gemeinsamer Tag nicht nur mit einer herzlichen Begegnung, sondern gleich mit einem sichtbaren Zeichen dessen, worum es auf unserem weiteren Weg gehen sollte: um Frieden, Verständigung und die Verbundenheit über Grenzen hinweg. Besonders passend war auch der Name der Gemeinde: St. Franziskus. So führte uns gleich zu Beginn vieles zusammen, was den späteren Friedensweg prägen sollte.
Danach ging es weiter ins Sauerland, in die Heimat von Abbé Franz Stock. Noch blieb etwas Zeit für einen kurzen Abstecher zu seinem Elternhaus in Neheim. Hier wurde Franz Stock am 21. September 1904 geboren und wuchs in dem Haus auf, das heute als Gedenk- und Begegnungsstätte an sein Leben und sein Wirken erinnert.
Von Neheim aus führte uns die Fahrt immer weiter das Ruhrtal hinauf bis nach Olsberg. Am dortigen Bahnhof begann schließlich unser eigentlicher Friedensweg.
Fotoeindrücke vom 19.09.2026:
Auf dem Glockenpfad hinauf zum Borberg
An diesem trüben Samstagvormittag hatte sich eine überschaubare, aber bunt zusammengesetzte Gruppe von gut einem Dutzend Menschen eingefunden. Neben dem Franz-Stock-Komitee und Les Amis de Franz Stock waren die Gefährten des Heiligen Franziskus – die Compagnons de Saint François – und auch Pax Christi vertreten.
Von Olsberg aus ging es zunächst über Wirtschaftswege hinaus aus dem Ort. Bald überquerten wir die Obere Ruhrtalbahn. Danach führte der Weg zunehmend bergauf und verlangte uns schon bald einiges an Kondition ab.
Unser Ziel war der Borberg mit seiner auf rund 670 Metern Höhe gelegenen Friedenskapelle. Der Weg hinauf führt über den sogenannten Glockenpfad, an dem seit 1963 die Kreuzwegstationen stehen.
Und so wurde aus einer Wanderung Schritt für Schritt ein geistlicher Weg.
Pfarrer i. R. Wilfried Göddeke aus Dortmund hatte für diesen Kreuzweg eigene Texte geschrieben. Sie verbinden auf eindrucksvolle Weise den Leidensweg Jesu mit dem Leben von Franz Stock. Franz Stock und Jesus Christus werden dabei zu unseren „unsichtbaren Weggefährten“. Göddeke selbst hat den Weg zum Borberg über viele Jahre immer wieder gebetet und dabei die Verbindung zwischen dem Kreuzweg Jesu und dem außergewöhnlichen Lebensweg Franz Stocks entdeckt.
Je höher wir kamen, desto stärker veränderte sich die Stimmung. Das Gespräch verstummte, die einzelnen Stationen verlangten Aufmerksamkeit. Franz Stocks Leben, seine Jahre in Frankreich, sein Dienst an Gefangenen und zum Tode Verurteilten und sein Einsatz für Verständigung und Versöhnung begleiteten unsere Gedanken auf dem Weg.
Schritt für Schritt ging es dem Gipfel entgegen. Der Anstieg war durchaus fordernd, doch gerade das machte den Weg zu einem besonderen Erlebnis. Bewegung, Gebet, Begegnung und die Beschäftigung mit Franz Stock verbanden sich miteinander.
Heilige Messe auf dem Borberg
Oben angekommen, versammelten wir uns vor der Friedenskapelle. Sie ist der Mutter Gottes vom Guten Frieden geweiht und gab unserem Friedensweg einen passenden Ort für den sich nun anschließenden Gottesdienst. Die Heilige Messe zelebrierte Pfarrer Stephan Jung aus Neheim, dem Vorsitzenden des Franz-Stock-Komitees. Nach dem gemeinsamen Weg und den Impulsen des Kreuzwegs war die Feier ein besonderer Moment der Ruhe und des Innehaltens. Musikalisch wurde die Heilige Messe von lateinischen Liedern aus Taizé und dem hebräischen Friedenslied „Hevenu Schalom Alechem“ getragen. So konnte auch Eric mitsingen und sich unmittelbar in die gemeinsame Feier einbringen – unabhängig davon, welche Sprache der Einzelne spricht.
Anschließend blieb Zeit, den Borberg und seine Geschichte noch etwas näher zu erkunden. Dabei stießen wir auf verschiedene Orte und Zeichen, die von der Geschichte dieses besonderen Platzes erzählen: das Konzilskreuz, die Friedenseiche von 1931 und ein Gedenkstein, der an das große Treffen von 1931 erinnert. Auch der Borbergskirchhof mit der Kirchenruine gehört zu den geschichtsträchtigen Orten auf dem Berg.
So wurde deutlich, dass der Borberg nicht nur ein schönes Wanderziel ist. Über Jahrzehnte haben Menschen diesen Ort aufgesucht, um zu beten, sich zu erinnern und Zeichen für Frieden und Verständigung zu setzen.
Durch das Hilbringsetal zur Hiebammenhütte
Nach dem Aufenthalt auf dem Borberg machten wir uns wieder auf den Weg. Nun ging es durch das Hilbringsetal bergab. Nach dem Aufstieg am Vormittag war der Weg nun deutlich entspannter, und nach und nach wurde aus dem geistlichen Weg wieder eine gemeinsame Wanderung mit guten Gesprächen und Begegnungen.
Unser nächstes Ziel war die Hiebammenhütte. Dort wartete eine wohlverdiente Einkehr auf uns. Bei Speis und Trank konnten wir uns stärken und den gemeinsamen Tag in geselliger Runde Revue passieren lassen. Nach den Stunden des Wanderns, Betens und Nachdenkens tat diese Pause gut. Noch aber war unser gemeinsamer Weg nicht zu Ende.
Zurück nach Olsberg
Von der Hiebammenhütte führte der Weg schließlich zurück in Richtung Olsberg. Inzwischen hatte sich auch das Wetter verändert. Die Abendsonne zeigte sich zum Tagesende noch einmal von ihrer besonders schönen Seite und tauchte den Weg in ein warmes, sanftes Licht.
Nach dem trüben Beginn am Morgen war dies ein stimmungsvoller Abschluss unseres gemeinsamen Tages. Die letzten Kilometer wurden so noch einmal zu einem besonderen Erlebnis – mit der Landschaft des Sauerlandes vor Augen und den Eindrücken des Tages im Gepäck.
Am Bahnhof in Olsberg endete schließlich unser Friedensweg.
Was bleibt, sind viele Begegnungen, Gespräche und Gedanken. Der gemeinsame Weg mit Menschen aus Deutschland und Frankreich, die Beschäftigung mit Franz Stock, das Gebet und die Natur haben diesen Tag zu etwas Besonderem gemacht.
Vielleicht liegt genau darin der Wert solcher Wege: Man geht ein Stück gemeinsam, hält an, schaut zurück, kommt miteinander ins Gespräch und setzt den Weg anschließend weiter fort. Im nächsten Jahr gehen wir diesen Weg wieder - darin waren sich alle Teilnehmenden einig.
von Markus Klüppel, Soest/Westfalen
Vorbericht:
Borbergkapelle wird 101 Jahre – Franz-Stock-Komitee lädt zum Friedensweg ein
Das Franz-Stock-Komitee lädt am Samstag, 19. September 2026, zu einem besonderen Friedensweg auf den Borberg zwischen Olsberg und Brilon ein. Anlass ist das 101-jährige Bestehen der Borbergkapelle, die der „Maria vom guten Frieden“ geweiht ist.
Treffpunkt für die geführte Wanderung ist um 11:00 Uhr am Bahnhof Olsberg. Kurz zuvor treffen die Züge aus Richtung Warburg und Dortmund ein. Von dort führt der Weg über den Glockenpfad und den Kreuzweg hinauf zum Borberg-Plateau mit der Borbergkapelle. Auf dem gemeinsamen Weg wird für den Frieden im Großen wie im Kleinen gebetet.
Ein besonderer Akzent liegt auf der Verbindung des Ortes mit dem Wirken von Franz Stock, einem bedeutenden Wegbereiter derdeutsch-französischen Aussöhnung. Vor genau 95 Jahren, im Jahr 1931, nahm Franz Stock gemeinsam mit seinen französischen Freunden an einem großen Friedenstreffen auf dem Borberg teil. Der Friedensweg erinnert damit an eineTradition, die über Grenzen und Generationen hinweg für Verständigung, Versöhnung und Frieden steht.
Auf dem Borberg wird anschließend eine Heilige Messe zum101-jährigen Bestehen der Borbergkapelle gefeiert. Dabei wird auch des historischen Friedensengagements von Franz Stock gedacht.
Nach der Messe führt die Wanderung hinab zur Hiebammenhütte. Dort besteht die Möglichkeit, auf eigene Kosten in geselliger Runde einzukehren und sich zu stärken. Am Nachmittag geht es gemeinsam zurück zum Bahnhof Olsberg.
Für die Wanderung sind gutes Schuhwerk, wetterfeste Kleidung und eine gewisse Kondition erforderlich. Der Weg führt hinauf auf rund 670 Meter über Normalnull. Die Veranstaltung findet auch bei Nieselregen statt.
Start:Samstag, 19. September 2026, 11:00 Uhr
Treffpunkt: Bahnhof Olsberg (Karte >>>)
Ziel: Borbergkapelle zwischen Olsberg und Brilon (Karte >>>)
Veranstalter: Franz-Stock-Komitee
Das Franz-Stock-Komitee freut sich über alle, die sich gemeinsam auf den Weg machen möchten – im Gedenken an Franz Stock undmit dem Gebet für Frieden, Verständigung und Versöhnung.
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