Pressebericht Westfälische Rundschau, Neheim-Hüsten, 01.03.2008

60. Todestag Nachbericht TeilnehmerNeheim. (JK) "Die Tragweite des Wirkens von Franz Stock ist mir bei den Feierlichkeiten zu seinem 60. Todestag bewusst geworden", fasste Charlott Bauerdick ihre Eindrücke zusammen.

Die 16-Jährige berichtete gemeinsam mit Anna Martin, Dominik Posta und Daniel Streit stellvertretend für insgesamt 60 Schüler des St.-Ursula- bzw. Franz-Stock-Gymnasiums über ihre Eindrücke am vergangenen Wochenende in Paris und Chartres.

Angst - das war das erste Gefühl, das Anna verspürte, als sie zum ersten Mal die Gedenkstätte auf dem Mont Valérien sah. Hier, wo einst die französischen Widerstandskämpfer von Deutschen hingerichtet und auf ihrem letzten Weg von Franz Stock begleitet wurden, nahmen die Gedenkfeierlichkeiten ihren Anfang.

Alles, was ihnen und den anderen 150 Teilnehmern aus Arnsberg geboten wurde, berührte jeden Einzelnen sehr stark. "Ich habe ein Buch über Franz Stock gelesen", sagte Helga Schulte, die mit Thomas Bertram für das Franz-Stock-Komitee berichtete. "Und als ich dann vor Ort war und alles gesehen habe, da ist mir das sehr nahe gegangen."

Bewegend war die Feier auch für Daniel Streit, der die Ansprache halten durfte. Im Bus bekam er erst den eineinhalbseitigen Text, verfasst von der Staatskanzlei des Landes NRW. Auch im Gespräch mit französischen Schülern und Zeitzeugen sei deutlich geworden, dass Franz Stock in Frankreich hoch angesehen ist.

Die Vergangenheit und die Diskussion mit den Schülern als zukunftsweisende Veranstaltung gaben die Richtung vor, die Franz Stock vor über 60 Jahren gewiesen hat. "Weniger die Nationen, als vielmehr die Menschen sollten im Vordergrund stehen", fasste Dominik Posta zusammen.

Pressebericht Westfalenpost, Neheim-Hüsten, 01.03.2008

Angehörige der Erschossenen erweisen Abbé Stock Ehre

Neheim. (KHK) Je zwei Schülerinnen und Schüler (16 bis 18 Jahre alt) der Gymnasien FSG und SUG in Neheim/Hüsten - Anna Martin, Charlott Bauerdick, Dominik Posta und Daniel Streit - sowie Helga Schulte als Erwachsene, die in Paris und Chartres an den Gedenkfeierlichkeiten zum 60. Todestag von Abbé Franz Stock teilnahmen, berichteten gestern - auf Einladung des Franz-Stock-Komitees - von ihren Eindrücken.

Daniel Streit meinte: "Die Ehrung Franz Stocks zeichnete durch die Anwesenheit des französischen Präsidenten, des NRW-Ministerpräsidenten und der Bischöfe aus. Man konnte nachempfinden, was damals hier geschehen ist." Auch Charlott Bauerdick und Dominik Posta hat die Aura betroffen gemacht, "wenn man sich vor Augen hält, was hier vor 60 Jahren geschehen ist".

Auch dass Angehörige von zwei von den Nazis erschossenen Widerstandskämpfern anwesend waren und Franz Stock die Ehre erwiesen, war sehr emotional und hat die jungen Leute beeindruckt. Die Schüler hatten so den Eindruck gewonnen, dass Abbe? Franz Stock in Frankreich sehr populär ist.

Helga Schulte erzählte: "Ich habe vorher nur in einem Buch etwas über das Wirken Franz Stocks erfahren, doch wenn man die Wirklichkeit kennen gelernt hat, ist man mehr als betroffen und den Tränen nahe, vor allem, wenn man die vielen Namen der Hingerichteten liest."

Anna Martin bewertet positiv, dass die Fragen der Schüler vor Ort von den Offiziellen gern beantwortet wurden. Ministerpräsident Rüttgers habe versichert, dass die Schüleraustausche etc. beider Länder gefördert werden sollen.

Auf die Frage an Daniel Streit, ob er seine vorgetragene Rede selbst verfasst habe, antwortete der 17-jährige, dass er die Rede (eineinhalb DIN-A4-Seiten) von der NRW-Staatskanzlei bekommen habe. Die vier Gesprächspartner versicherten, dass sie von allen 60 teilnehmenden Schülern nur positive Eindrücke von den Gedenkfeierlichkeiten gehört hätten.

Schließlich schilderte auch Thomas Bertram, Vorstandsmitglied im Franz-Stock-Komitee einige seiner Eindrücke. "Wer den Ort kennt in seiner bedrückenden Erinnerung und Mahnung, der ist anfangs ein wenig geschockt durch das vorbereitende Treiben und die Anwesenheit von Technik (Plattform und Mikrophone) und Militär in Paradeuniform", meint Thomas Bertram zum Besuch auf dem Mont Valerien. Doch diese Spannung werde dann aufgehoben durch die inhaltlichen tiefen Aussagen aller Texte.

Pressebericht des Sauerlandkuriers vom 02.03.2008

Arnsberger fuhren zur Franz-Stock-Gedenkfeier nach Frankreich

Neheim. (oli) "Ich fand es beängstigend — alles wirkte trostlos und dunkel", so beschrieb Charlott Bauerdick, Schülerin des Neheimer Sankt-Ursula Gymnasiums ihre Empfindungen an der Gedenkstätte Mont Valérien. Geinsam mit NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und dem französischen Staatspräsident Nicolas Sarkozy gedachte sie dort der Französischen Résistance (Wiederstand) gegen deutsche Besatzer im Zweiten Weltkrieg.Die Schülerin ist eine der insgesamt 150 Teilnehmern aus Nordrhein-Westfalen, die anlässlich des 60. Geburtstags des Priesters Abbé Franz Stock zum vergangenen Wochenende gemeinsam mit Landesvater Rüttgers nach Frankreich fuhr.

Auf Einladung des Franz-Stock-Komitees berichtete sie jetzt zusammen mit Anna Martin, Dominik Posta und Daniel Streit und einigen Erwachsenen von ihren Eindrücken. Sie erzählten von beklemmenden Momenten in einer Aura "der Entscheidung über Leben und Tod" bei der Gedenkfeuer in Frankreich.

Dominik Posta: "Starke Emotionen kamen auch auf, als zwei Angehörige von fanzösischen Widerstandskämpfern deutlich machten, welch hohes Ansehen Franz Stock auch in Frankreich besitzt."

Auch Thomas Bertram vom Franz-Stock-Komitee schilderte seine Eindrücke: "Wer den Ort kennt in seiner bedrückenden Erinnerung und Mahnung, der ist anfangs ein wenig geschockt durch das vorbereitende Treiben und die Anwesenheit von Technik (Plattform und Mikrophone) und Militär in Paradeuniform. Diese Spannung wurde dann aber durch die inhaltlichen tiefen Aussagen aller vorgetragenen Texte aufgehoben.

Zeitzeugen berichten
Der Schüler Daniel Streit hatte dann noch die Gelegenheit eine vorbereitete Rede der NRW-Staatskanzlei vorzutragen. "Man kann jetzt auf jeden Fall besser nachempfinden, was damals dort geschehen ist. Allein durch die Anwesenheit des französischen Präsidenten, des NRW-Ministerpräsidenten und der Bischhöfe wurde die Wichtigkeit des Anlasses und der Zeremonie deutlich", erklärte Streit.
Auch an den Gedenkgottesdienst im Dom von Chartres der anschließenden Podiumsdiskussion im Stacheldrahtseminar und die abschließende Kranzniederlegung am Grab des Franz Stock wird man noch lange positiv zurückdenken. Schülerin Anna Martin: "Ich fand es gut, dass man den Offiziellen und Staatsmännern hier Fragen stellen konnte. Rüttgers hat versichert, man die heute guten Beziehungen zum Nachbarland Frankreich auch mit weiteren Schüleraustauschs fördern wolle."
In diesem Zusammenhang stellte Thomas Bertram auch die Veranstaltungen vom Katholische Bildungswerk vor, die jetzt in Kooperation mit Franz-Stock-Komitee stattfinden. So wird Prälat Berthold Richard aus Heiligenstadt am Dienstag, 11. März, um 19.30 im St. Ursula Gymnasium Neheim von seinen Erfahrungen als Kriegsgefangener in Chartres berichten, wo er Franz Stock im Stacheldrahtseminar kennen lernte. Helga Walbaum erzählt in ihren Vortrag unter dem Titel "Von einer Verfolgten zu einer Versöhnten" von ihren Erfahrungen als rassisch Verfolgte, die 1938 mit ihren Eltern nach Paris floh. Sie ist am Dienstag, 15. April, um 19.30 im Pfarrheim St. Johannes in Sundern und am Donnerstag, 17. April im Mariengymnasium Arnsberg. Neben einer Führung durch die Gedenkstätte "Französische Kapelle" in Soest am und einer Fahrt nach Dortmund hob Bertram hier auch ein Referat mit dem Titel "Versöhnung mit Polen" hervor" welches im Juni im Pfarrheim Christkönig in Sundern stattfindet. Weitere Programminfos sind im Internet unter www.kbs-Arnsberg.de.

Pfarrnachrichten: Pastoralverbund Neheim Ost, 10/2008

Stationen eines Kreuzweges

Pfarrer i.R. Leo ReinersAm vorletzten Wochenende, 23. / 24. Februar, waren wir mit dem Franz-Stock-Komitee und 70 Schülerinnen und Schüler des Franz-Stock-Gymnasiums und des St.-Ursula-Gymnasiums und Vertretern der Stadt Arnsberg nach Chartres und Paris aus Anlass des 60. Todestages von Abbé Franz Stock.

Wir besuchten die Stätten seines Wirkens und nahmen an den Gedenkfeiern teil. Es kam mir vor wie die Stationen eines Kreuzweges, den Franz Stock gegangen ist ähnlich Simon von Cyrene, der dem Herrn das Kreuz tragen half.

Die 1. Station war das Haus der katholischen Gemeinde deutscher Sprache, wo Franz Stock 1934 als Pfarrer mit seinem Dienst begann. Damals wusste er noch nicht, welcher Kreuzweg vor ihm lag, als der diese Aufgabe übernahm.

Die 2. Station war die Hinrichtungsstätte auf dem Mont Valérien, wohin Franz Stock über 2000 zum Tode verurteilte französische Widerstandkämpfer und Geiseln begleitet und ihnen beigestanden hat. Hier war Golgotha, wo er unter dem Kreuz ausgehalten hat. - An dieser Stelle fand eine bewegende Gedenkfeier in Gegenwart und mit Reden des französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy und dem Ministerpräsidenten des Landes NRW Jürgen Rüttgers statt.

Die 3. Station war das Gefangenenlager Le Coudray bei Chartres, wo Franz Stock nach Ende des Krieges das Priesterseminar hinter Stacheldraht leitete. In der Halle, die jetzt zu einem Europäischen Begegnungszentrum ausgebaut wird, gab es ein einfaches Mittagessen und eine Podiumsdiskussion mit Ministerpräsidenten Rüttgers und Erzbischof Becker und Zeitzeugen, unter ihnen Dieter Lanz (aus unserer Pastoralverbund), der als junger Theologiestudent damals im Lager war und Franz Stock erlebt hat. Die Diskussion fand statt vor dem Altarbild der Lagerkapelle, das Franz Stock gemalt hat.

Die 4. Station war die Kirche Saint Jean Baptiste in Rechèvres bei Chartres mit der Ruhestätte von Franz Stock. In einem Gottesdienst gedachten alle dieses Priesters und zogen in Lichterprozession zu seinem Grab.

Die 5. Station war die Kathedrale von Chartres, wo mit dem Bischof von Chartres, dem Erzbischof von Paderborn und dem päpstlichen Nuntius am Sonntagmorgen eine Gedenkmesse stattfand unter große Beteiligung der Bevölkerung und zahlreichen Priestern, unter ihnen Pfarrer Stephan Jung und Vikar Thomas Zwingmann. Auch ich durfte bei dieser Messe konzelebrieren. Diese Feier und die Predigt des Bischofs von Chartres werden unvergesslich bleiben.

Wir haben an allen Stationen dieses Kreuzweges gebetet und meditiert und tief innerlich nachempfunden, welchen Kreuzweg Franz Stock gegangen ist. Wir alle sind in diesen Tagen der Passionszeit eingeladen, dem Herrn auf seinem Kreuzweg zu folgen, selbst unser Kreuz auf uns zu nehmen und anderen das Kreuz tragen zu helfen nach dem Beispiel von Franz Stock.

Eine gesegnete Passionszeit wünscht allen Ihr Pfarrer i. R.
Leo Reiners